Touristen-Falle - Falsche Fahrkartenkontrolleure
22.04.2001  Martina Hellwig aus Düsseldorf

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich habe das akrizio-Reisemagazin vor meinem ersten Prag-Aufenthalt über Ostern entdeckt und über Sie auch die Unterkunft gebucht. Ich finde, es klappt hervorragend und ist eine gute Sache, da man vorher schon selektieren kann und in etwa weiß, was einen erwartet.

Als ich nun über das Osterwochenende eine Reise mit einer Bekannten nach Prag machte, passierte uns kurz vor der Rückfahrt etwas unangenehmes, vor dem in keinem Reiseführer hingewiesen wird.

Aus diesem Grunde möchte ich Ihnen diese Vorkommnisse erzählen, damit Sie ggfls. diese Warnung in ihre nächste Ausgabe mit aufnehmen können.

Daß man bei der Tram-Benutzung - wie in jeder Großstadt - auf seine Sachen Acht geben soll ist bekannt, daß sich allerdings ganze Banden darauf offensichtlich spezialisiert haben von irritierten Touristen ‘Wegezoll’ zu verlangen wohl eher nicht. Jedenfalls ist uns genau das kurz vor der Rückfahrt nach Dresden am Bahnhof Praha-Holesovice passiert.

Als wir schließlich die Station erreichten, konnten wir zunächst nur das Zeichen für den Busbahnhof und die Tram entdecken. Auf Nachfrage bei der Dame im Ticketschalter erklärte diese uns, daß wir einfach nur den U-Bahnsteig überqueren müßten, die andere Seite wieder hochgehen sollten und schon direkt im Bahnhof seien.

Als wir schon fast die ‘andere Seite’ erreicht hatten, fielen mir plötzlich 6 muskulöse und beleibte Männer auf, die ich vorher nicht bemerkt hatte. Einer von ihnen stellte sich uns plötzlich in den Weg und sprach uns erst auf tschechisch, dann in gebrochenem englisch an und erklärte uns, daß dies eine Fahrschein-Kontrolle sei und wir unsere Tram-Fahrscheine vorzeigen sollten. Wir erklärten ihm, daß wir nicht Tram gefahren seinen sondern nur den U-Bahnsteig überqueren wollten um zu den Zuggleisen zu kommen und zeigten ihm sogar noch unsere Zugfahr-Tickets.

Er bestand direkt darauf, daß wir Strafe zu zahlen hätten, weil wir keine Fahrscheine hätten und erklärte zudem, daß wir pro Person 400 Kronen zu zahlen hätten. Dabei rechnete er direkt sich selber, uns beide und 2 Polizisten - die niemals auftauchten - großzügig mit ein.

Meine Bekannte begriff dann schnell - aus Erfahrungen in Rußland - daß es sich um eine ‘Finte’ handeln mußte und sagte dem Herrn, daß er doch dann bitte die Polizei rufen solle.

Zunächst sträubte er sich dagegen, irgendwann fingerte er dann an seinem Handy herum und tat so (ich gehe davon aus, daß er nur so tat), also würde er telefonieren. In der Tat tauchten im Endeffekt bis zum Schluß keine Polizisten auf. Meine Bekannte erklärte mir, daß wir versuchen müßten zu flüchten und ich solle loslaufen, was ich dann auch tat. Leider mit nicht allzu großem Erfolg, da sich mir der bullige Mann in den Weg stellte und mich körperlich angriff.

In meinem Zustand aus einer Mischung von Bedenken (kann das wirklich nicht alles doch wahr sein) und grenzenloser Wut (ich habe in London und Paris gelebt - aber so etwas ist mir selbst dort nie passiert) habe ich ihn nur angeschrien und beschimpft, bis er mich durch ließ.

Allerdings hatte er sich dann inzwischen meiner Bekannten in den Weg gestellt. Im Endeffekt hatten wir - mit unserem Gepäck beladen - keine Möglichkeit letztendlich zu entkommen.

Auch der Versuch, den Herrn im anderen Ticketoffice um Hilfe zu bitten schlug fehl, denn es stellte sich heraus, daß dieser a) völlig betrunken und b) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der Bande ‘geschmiert’ war, da er darauf bestand, daß alles seine Richtigkeit habe.

Inzwischen hatten 2 andere ‘Herren’ aus der Gruppe zwei italienische Touristen abgefangen, die nichteinmal den Bahnsteig der U-Bahn erreicht hatten sondern direkt vom Zug kamen - und erzählten ihnen die gleichen Dinge.

Unsere Geschichte endete dann schließlich nach weiteren Diskussionen so, daß wir dem Mann erklärten wir hätten weder tschechische Kronen noch D-Mark und schon gar keine Kreditkarten bei uns, die er schließlich verlangte.
Da er uns jedoch nicht ohne Bezahlung gehen lassen wollte, unser Zug bald abfuhr - und wir uns schließlich mit ihm ‘arrangieren’ konnten, indem wir ihm die 300 Kronen anboten, die wir tatsächlich nur noch hatten. Er bestand allerdings auf mind. 400 Kronen - und so bekam er noch 10 DM angeboten - worauf er sich zufrieden gab und uns gehen ließ.

Ich bin mir sicher, daß unser Erlebnis kein Einzelfall ist und man an diesen Gegebenheiten auch nur schwer etwas ändern kann. Allerdings denke ich, sollte man Touristen vor solchen Vorkommnissen warnen.

Schließlich besteht auch noch die Möglichkeit, den Bahnhof ‘oberirdisch’ zu erreichen - jedoch ist dies so schlecht ausgeschildert, daß es von der Frontseite - in deren Nähe die Straßenbahn hält - nicht zu erkennen ist.

Denn obwohl mir Prag sehr gut gefallen hat und ich sicherlich nicht das letzte Mal dort gewesen bin, bleibt dieses Erlebnis als bitterer Nachgeschmack im Gedächtnis haften.

Mit freundlichen Grüßen
Martina Hellwig
Düsseldorf, den 22/04/01

 

Anmerkung der Redaktion:
Wir haben uns umgehend mit der Prager Polizei in Verbindung gesetzt, die versprach uns in den nächsten Tagen einen ausführlichen Vorsichtsmaßnamen-Bericht zu senden.
Unser Tipp für solche Fälle

n Handy mitnehmen und bei Problemen selber die Polizei rufen: Nr. 158
n Echte Kontrolleure sind meist zu zweit - und müssen bei Aufforderung ihre Dienstmarke vorzeigen - weitere Infos findet Ihr unter: Transport/Fahrkarten
n Vorsicht auch bei "falschen Polizisten"
Nach Angaben der Prager Polizei gab es bereits Fälle von Touristen-Überfällen seitens falscher Polizisten, wobei diese vorgaben die Geldmengen bzw. die Echtheit der Währung der Touristen überprüfen zu müssen. (Dazu ist die Polizei keinesfalls berechtigt)
n Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Dann schreibt uns
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